Mos Ersatzbank | Wie sieht die Zukunft des FIFA Competitive Gaming aus?
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Wie sieht die Zukunft des FIFA Competitive Gaming aus?

Bild: FIFA via Getty Images

Der FIFA E-Sport ist bislang auf Einzelspieler ausgelegt. Was wäre aber, wenn die Turniere sich mit einem Fokus auf zwei gegen zwei oder mehr ausrichten würden?

“In FIFA 19 passieren einfach unglaublich viele Dinge, die man nicht bewusst beeinflussen kann, wodurch das ‘Glück’ [..] eine zu groß Rolle spielt (da der CPU einfach dauerhaft 10 Personen steuert)”, twitterte Benedikt ‘Salz0r’ Saltzer etwa einen Monat nach Release von FIFA 19. Eine Möglichkeit, die CPU abzuschwächen, ist das Spielen zu zweit. Denn bereits mit einem Mitspieler setzen Mechaniken wie das automatische Anlaufen des Balles teilweise aus und das individuelle Können des Spielers kommt zum Tragen. Im Extremfall rennen elf Spieler gleichzeitig in einer Online-Begegnung auf dem Feld herum. Dieser Modus nennt sich Pro Club. “Der Modus ist ein sehr interessanter Spielmodus […]. Leider ist er logistisch eine Herausforderung, ich hoffe, dass wir hiervon in der Zukunft mehr Formate sehen werden”, sagt Daniel Luther. Mit KiNG eSports hat er großartige Spieler wie den Argentinier Nicolas ‘nicolas99fc’ Villalba unter Vertrag.

Teamwettbewerbe bereits Teil der Global Series

Seiner Meinung nach sollte sich die Parallele zum Fußball noch mehr im FIFA E-Sport bemerkbar machen. “Fußball ist in der Realität eine Mannschaftssportart, die von den Emotionen lebt. Im 1v1 legen die Spieler sehr viel Wert auf Konzentration und der Unterhaltungsfaktor gerät in der Hintergrund. Der 2v2-Modus lockert das auf, der Team-Gedanke lebt auf und damit auch die Emotionalität. Aus Sicht der Vermarktung, aber auch aus Sicht des Zuschauers oder Spielers, sehe ich im 2v2-Modus definitiv spannende Mehrwerte.”

Vielleicht spielen sie in FIFA 20 öfter auch zusammen: Dani ‘Ajax Dani’ Hagebeuk (l.) und Victor ‘Ajax Tore’ dos Santos Coelho. Bild: FIFA via Getty Images

Einen Schritt in die Richtung des Teamsports haben FIFA und EA Sports bereits mit der Einführung des 2v2 gemacht. In einzelnen Wettbewerben war das Zusammenspiel zweier Spieler ein wesentlicher Bestandteil der Ergebnisfindung. Standardmäßig war es aber auch nur ein Teil des Ergebnisses. Neben einem 1v1 auf jeder Konsole, also zwei Spielen insgesamt, gab es ein drittes Aufeinandertreffen, bei dem 2v2 gespielt wurde. Dieser Modus, bei dem bis zu neun Punkte erreicht werden konnten, zog sich durch den eNations Cup, die Virtual Bundesliga und auch durch den eClub World Cup.

Bundesliga-Clubs sehen Vorteile in Teams

“Aus Vereinssicht ist es natürlich vorteilhaft, wenn nicht der Einzelspieler im Vordergrund steht, sondern der Klub, der von den Spielern vertreten wird. Die Aufmerksamkeit für den Verein ist dann ungleich größer”, erklärt Dominik Kupilas, Head of Content & Digital und verantwortlich für die E-Sportler des SV Werder Bremen. Auch die Übertragungen der Turniere können seiner Meinung nach von der Umstellung auf Teams profitieren: “Darüber hinaus entwickeln sich durch Teamwettbewerbe in meinen Augen auch noch mehr Emotionen. Denn sich gemeinsam mit jemandem zu freuen, bedeutet doppelte Freude.” Die Spieler sollen dabei aber nicht außer Acht gelassen werden, betont er: “Allerdings muss ein solcher Wettbewerb auch für die Spieler funktionieren. Andernfalls macht es aus meiner Sicht keinen Sinn.” Sollte sich die FIFA sowie EA Sports dazu entschließen, den Teamwettbewerb weiter zu fördern, verändert das auch die bisherige Arbeit der Vereine. “Die Einführung eines Teamwettbewerbs könnte Einfluss auf die Ausrichtung unseres Engagements haben. Denn natürlich ist ein strategischer Unterschied, ob du zwei oder elf Spieler unter Vertrag hast. Das bedeutet im Zweifel nicht nur mehr koordinativen Aufwand, sondern eben auch eine andere Sichtweise der Menschen auf die Vereine, die sich im eSports engagieren”, fasst Dominik Kupilas zusammen.

MegaBits Teamkollege machte sich ebenfalls mehrfach einen Namen. Seit kurzem ist Mohammed ‘MoAuba’ Harkous auch Weltmeister. Bild: FIFA via Getty Images

Der SV Werder Bremen hat eines der weltweit besten Teams zusammen. Michael ‘MegaBit’ Bittner gewann beispielsweise die Virtual Bundesliga.

Ähnlich sieht es auch Christopher Schielke vom VfL Wolfsburg. “In 2er- oder 3er-Teams sind viele Varianten möglich, wie gegen den Mitbewerber gespielt werden kann. So haben wir es unter anderem in der Virtual Bundesliga dieses Jahr gesehen. Dort wurde das sogenannten Davis Cup-Format gespielt – also zwei Einzel und im Anschluss ein Doppel. Das hat uns als Klub gut gefallen und ich denke, für die Zuschauer war diese Variante auch sehr interessant”, erklärt er. Erst kurz vor dem FIFA eWorld Cup schnappte sich der VfL einen der interessantesten deutschen Spieler, den 17-Jährigen Dylan ‘DullenMIKE’ Neuhausen und vergrößerte damit sein Team. Viel größer dürfe es aber in naher Zukunft nicht werden, sagt Christopher Schielke: “Wir bekommen immer wieder Anfragen für ProClub-Teams, also 11er-Teams und teilweise sogar noch ergänzt um Auswechselspieler. Das ist für uns zumindest aktuell nicht denkbar, da ein solch großes Team auch viel mehr Aufmerksamkeit, Betreuung und Kosten (Gehalt, Reisen etc.) unsererseits erfordert. Eine gute und überschaubare Größe wären meiner Meinung nach drei bis vier Profis ergänzt um drei Nachwuchsspieler in der E-Academy.”

Abgeschwächte CPU, aber auch schwächere Einzelspieler

Alexander ‘Xander’ Steinmetz spielt für den VfL Bochum und sieht im Team-E-Sport einen klaren Vorteil: “Logischerweise entscheidet da weniger die CPU über das Spiel, weil fast immer jemand einen Spieler angewählt hat und Laufwege selber bestimmt werden können.” Eingeschränkt werde dies allerdings durch die bisherige Sitzordnung bei den Turnieren. “Die Kommunikation ist teils schwierig, weil man bei Turnieren oft gegenüber vom Gegner sitzt”, beschreibt er das Problem. Gleichzeitig seien die Spiele für Zuschauer oft unattraktiver, da die individuelle Klasse der Einzelspieler weniger gut ausgespielt werden könne. Das Können des Einzelnen dürfe nicht unter den Tisch fallen, hebt auch Dominik Kupilas vom SV Werder Bremen hervor: “FIFA ist dadurch so groß geworden, dass ein Spieler in der Lage war und ist, eine ganze Mannschaft zu steuern. […] Allerdings gilt auch hier: Alles im richtigen Maße. So sollten die Partien auch in Zukunft dadurch entschieden werden, dass der Mensch vor der Konsole besser war, als sein Gegenüber. Und nicht die KI des Spiels.”

Alexander ‘Xander’ Steinmetz spielt gerne im 2v2, nennt aber auch gute Gründe für den Einzelspieler-Modus.

Dass die CPU schwierig ist sieht auch Daniel Luther. “Es ist definitiv ein Problem. Der Zufall kann ein Spiel entscheiden. Andererseits ist eines aber auch klar: es gibt einen Skill-Faktor in FIFA, der insbesondere dann zum Tragen kommt, wenn ein Hin- und Rückspielmodus gespielt wird. Die Spieler Nicolas und Tekkz dominierten in diesem Jahr beinahe jedes Turnier. Dies wäre nicht möglich, wenn der Random-Faktor zu groß wäre.”

Das zur Global Series in FIFA 20 Veränderungen kommen werden, ist selbstverständlich. Wie Sam Turkbas, einer der verantwortlichen Event Producer bei EA gegenüber dem kicker mitteilte: “Unser langfristiges Ziel ist es, weiterhin ein überzeugendes Erlebnis für Zuschauer und Wettkämpfer zu kreieren. Das kann zum Beispiel bedeuten, Anzahl, Austragungsorte oder Dauer der Turniere zu verändern. All das ist möglich.” Turkbas sehr vage Äußerung lässt bislang aber noch zu viel offen und wenig Hoffnung auf eine stark am Zuschauer orientierte Neuausrichtung. Klar ist, dass eine Einführung des Team-E-Sports im Interesse der beteiligten Vereine liegt. Damit einher geht ein größerer organisatorischer Aufwand, der aber gleichzeitig auch einige Mehrwerte bietet. Ein oder mehrere neue Teamturniere wären in jedem Fall eine gute Idee.