Mos Ersatzbank | Wer ist DennisGamingTV?
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Wer ist DennisGamingTV?

Es nieselt in Hannover. Kein wirklicher Regen, nur dünne Tropfen. An der Ampel steht er dann plötzlich da: Dennis, schwarze Regenjacke, Cap unter der Kapuze. Würde er eine Sonnenbrille tragen, könnte man vermuten: er möchte nicht erkannt werden. Die Kapuze hat er aber nur über dem Kopf, weil es eben nieselt. „Hi, ich bin Dennis.“

Wie Dennis aussieht, weiß fast niemand. Zumindest niemand, der ihn auf YouTube abonniert hat. Das sind immerhin 139.000, zweimal die Münchner Allianz Arena voll. Auf seinem Kanal DennisGamingTV spielt er den Karrieremodus in FIFA, in unzähligen Variationen, immer wieder mit einem neuen Dreh. Die markante Stimme ist dabei alles, woran man ihn erkennen kann. Sein Gesicht hat er in der Öffentlichkeit noch nicht gezeigt.

Frühstück in einem kleinen Café in der Hannoveraner List. Das Gespräch dreht sich um Fußball. „Den Bayern fehlt es an Selbstreflexion, auch Spielern wie Manuel Neuer“, sagt Dennis. Das Aus für den FC Bayern in der Champions League findet er verdient. „Liverpool war besser und das kommt davon, wenn du in 180 Minuten nur zweimal aufs Tor schießt.“ Auf vielen Positionen sieht er seinen Lieblingsverein nicht mehr an der Weltspitze. Lewandowski? Gut, aber zu oft alleine gelassen. Boateng? Nee. James? Mal so, mal so. Der einzige, der ihn nach wie vor überzeugt, ist Joshua Kimmich. „Mir gefällt seine ehrgeizige Art, der hat noch Bock auf Titel.“ Generell fehlt ihm der Titelhunger bei seinen Bayern. „Letztens haben wir noch mit sieben Triple-Spielern in der Startelf gespielt. Da kann Kovac ja auch kaum was machen.“

Spezi mit den Bayern

Mit der Straßenbahn geht es raus nach Wettbergen, Endstation. Auf dem Weg zur Wohnung geht es weiter um den FC Bayern. „Ist auch schwierig, weil Kovac wenig entwickeln kann. Der hat zu alte Spieler und ein zu festgefahrenes System.“ Auf Twitter hat er ihn für sich bereits angezählt. Klare Kante zeigt er auch bei der Nationalmannschaft: „Hummels, Müller und Boateng hätten auf die Bank sollen. Sie direkt auszuschließen ist mir einen Schritt zu viel.“ Er schätzt die Erfahrung der drei, glaubt noch an deren Einfluss auf das Team. Aber ihn fragt ja niemand.

Angekommen im Mehrfamilienhaus, in dem Dennis mit seiner Mutter wohnt. Sein Zimmer ist schlicht, dennoch deuten einige Gegenstände auf Dennis Leidenschaften hin. Im schwarzen Schrank mit der Glasfront noch ein paar Pokale aus seiner Fußballzeit. „Von 2006 bis 2013, dann hat es sich hier irgendwie verlaufen.“ Auf dem Regal über dem Fernseher liegen Fanschals und einige Eintrittskarten zu Fußballspielen. Natürlich von den Bayern – aber auch Hannover 96. Hannover ist für ihn der naheliegende Zweitverein, der sich für Stadionbesuche anbietet. Aber absolut kein Konkurrent für den FC Bayern. Während der Erläuterung zu 96 spielt der Flaschenöffner beim Öffnen seiner Paulaner Spezi spielt die Bayern-Hymne ab. „Nervt mittlerweile etwas“, sagt er ganz nebenbei.

Zwischen Bayern München und Hannover 96 fällt Dennis die Entscheidung nicht schwer: Er ist ein Münchner.

Er beschäftigt sich viel mit Fußball, nicht nur Bundesliga. Auch die Jugendmannschaften sind ihm wichtig. „Matondo, kennste nicht?“ Rabbi Matondo von Manchester City, 18 Jahre jung, neuer Spieler bei Schalke 04. Neben Reiss Nelson (Hoffenheim) und Jadon Sancho (BVB) ein weiteres englisches Talent für die Bundesliga. „Ist schon ein Trend, sich die jungen Engländer aus den U-Mannschaften zu holen“, erklärt Dennis. Dass die Bayern an Callum Hudson-Odoi dran sind, findet er gut. „Ich hab Spiele mit dem gesehen, der ist schon gut.“

Die Spielerkarriere war der Durchbruch

Seine zweite große Leidenschaft ist der Motorsport. Eigentlich wollte er den Qualifier der Formel 1 schauen, sechs Uhr morgens, aber das war ihm letztendlich doch zu früh. Neben allen FIFA-Videos finden sich auch diverse Formel 1-Inhalte auf seinem Kanal. „Viele aus meiner Zielgruppe scheinen sich auch für beides zu interessieren, das ist gut“, sagt er. Entgegen der Kommerzialisierung im Fußball hat er beim Motorsport das Gefühl, „dass es mehr ums Produkt geht. Die wollen das bestmöglich präsentieren und lassen sich dafür auch was einfallen.“ Gleichzeitig sei die Formel 1 auch viel weniger hektisch, weshalb er regelmäßig seine Runden in diesem Umfeld dreht.

Sein Interesse für Fußball und Motorsport möchte er zukünftig nutzen. Ihm ist bewusst, dass er nicht auf Dauer YouTube machen kann. Sportjournalist, das könne er sich vorstellen. Und über die Zukunft muss er sich Gedanken machen, denn an seiner Sparte arbeitet EA Sports schon seit mehr als zwei Jahren nicht mehr richtig. „Der Karrieremodus ist eigentlich nur noch dazu da, dass die Einsteiger easy mit dem Spiel klarkommen“, fängt er an. Alles sei auf FIFA Ultimate Team ausgerichtet, Einzelspieler-Modi total unten durch. FIFA 17 ist sein Lieblingsteil. In genau diesem Teil fing EA Sports an, mit FUT Champions den E-Sport voranzutreiben. Für Einzelspieler der Anfang vom Ende. „Die Karriere war in den früheren FIFA-Teilen noch viel besser. Ich denke, die könnte man jetzt auch weglassen.“ Trotzdem findet er immer wieder ein neues Thema, das er mit den Limitierungen des Spiels umsetzen kann.

Möglichkeiten, den Modus richtig interessant zu machen, gebe es im Überfluss, fährt er fort. „Die Spielerkarriere hat ein riesiges Potenzial.“ Eines seiner größten Projekte, das in FIFA 17 erstmals umgesetzt wurde. „Das erste Projekt, dass ich auch wirklich durchgezogen hab.“ In den Videos baute er eine fiktive Geschichte um einen Spieler, der den Weg vom Supertalent zum etablierten Starspieler erlebt. Angereichert werden die Videos mit Tweets, Artikeln auf Webseiten und Spielszenen aus völlig anderen Spielen, um die reine Spielerkarriere in FIFA interessanter zu machen. Ob und wie das weitergeht, weiß er noch nicht. „Ideen sind auf jeden Fall da.“

Sein Gesicht wird er aber nicht zeigen, das steht für ihn fest. „Ich wollte anfangs gar nicht so bekannt werden oder in Mobbing reinkommen. Ich hab das bei anderen in der Schule mitbekommen, das war nicht cool.“ Vier Freunde aus dem direkten Umkreis wissen von seiner YouTube-Karriere, seinen Eltern hat er ebenfalls davon erzählt. Die Leute sollen ihn nicht nach seinen Abos beurteilen. „Wobei mittlerweile bin ich in einem Bereich, da sorgt die Abozahl eher für Respekt.“

Dennis ist reflektiert, er macht sich Gedanken über das, was er tut. Dennoch behält er eine emotionale Härte bei, wenn es in Diskussionen geht. Er kann impulsiv reagieren, wenn er will. Davon ist am Abend nicht mehr viel zu merken, denn er ist müde. Weil er in der Nacht zuvor wenig geschlafen hat, verabschiedet er sich dann auch. Er muss gehen, noch ein wenig schlafen. Bald kommt die Formel 1 aus Australien.