Mos Ersatzbank | Der Analyst night_watch
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Der Analyst night_watch

“Meine Eltern haben nie gewollt, dass ich Fußball in einer Mannschaft spiele. Aber ich war immer gut beim Fußball spielen. Ich hatte immer schon eine Liebe für Fußball und denke, dass kann man auch sehen bei FIFA und so taktisch”, sagt Ivan Churov. Er ist 23 und in der FIFA-Szene als ‘night_watch’ bekannt. In der auslaufenden Saison hatte er viele verschiedene Aufgaben im FIFA E-Sport. Als Spieler auf der Xbox war er für die Playoffs in Hamburg qualifiziert. Als Analyst unterstützte er die Turnier-Übertragung aus Bukarest. Als Produzent war er an den Playoffs in Berlin beteiligt. Und auch als Coach macht er sich einen Namen. Woher kommt diese Vielfalt an Aufgaben?

Die Zeit, die Ivan ‘night_watch’ Churov nicht mit Fußball verbringen durfte, konzentrierte er sich – dank seiner Eltern – auf die Schule. Als Ausgleich zu echtem Fußball spielt er nun eben FIFA. Aufgewachsen ist er ziemlich international, teilweise in Asien, teilweise Bulgarien. Mittlerweile lebt er in Rumänien. Dort hat er sich auch auf den FIFA eWorld Cup vorbereitet, bei dem er den jungen deutschen Spieler Dylan ‘DullenMIKE’ Neuhausen coachen wird. Seine Herkunft scheint aber nicht jedem klar zu sein. “Sogar DullenMIKE hat mich vor ein paar Tagen gefragt, wie die ungarische Meisterschaft lief. Und ich denke mir: Ey, Bruder, ich werde dich bei der WM coachen und du weißt nicht, dass ich aus Bulgarien komme? Aber es sind sehr viele Spieler, die denken, dass ich aus Rumänien komme, Ungarn oder Bulgarien.” Seine Eltern kommen aus Bulgarien, er selbst ist auch in Bulgarien geboren. In Deutschland war er nur sehr selten: “Ich glaube ich war nur zweimal in Deutschland, jetzt viermal wegen den Playoffs in Hamburg in Berlin.” Deutsch kann er aus der Schule. “Hat Spaß gemacht”, sagt er zu drei Jahren Deutsch lernen.

Gameplay, Tactics, Bugs, Exploits

Zu DullenMIKE, der kurz vor dem FeWC seinen Wechsel zum VfL Wolfsburg bekannt gegeben hat, kam er durch die Xbox-Playoffs. “DullenMIKE hat mich einfach gefragt, bei den Playoffs. Das war so 24 Stunden bevor mich ein weiterer Spieler als Coach angefragt hat. Ich würde auch gerne andere Spieler coachen, aber DullenMIKE hat mich als erster gefragt. Er kann die Spielmechaniken besser als ich, aber taktisch finde ich, dass ich besser bin. Und deshalb kann ich ihm ziemlich gut helfen und ihm ein paar Dinge beibringen, die er noch nicht kann.” Auf was bereitet man sich vor als Coach? “Gameplay, Tactics, Bugs, Exploits, alles”, antwortet Ivan direkt und knapp. Das Gameplay für seine Analysen bekommt er aus unterschiedlichen Quellen: “Streams, Weekend League, Playoff-Spiele etc., aber bei der WM wird man sehen, ob es geklappt hat.” Das übergeordnete Ziel seines Trainings ist dabei sehr pragmatisch. “Vor allem versuche ich mit Dylan an seinen Stärken zu arbeiten und seine Schwächen zu verbessern. Ich finde, jetzt spielt er schon besser als er normalerweise spielen kann.”

Der Start bei der Weltmeisterschaft in London missglückte. Bereits in der Gruppenphase ist Schluss für DullenMIKE, weil er aus den ersten fünf Spielen keine Punkte holt. Traurig für den jungen Spieler, ärgerlich für den akribischen Ivan. Seine Vorbereitung war, wie er erzählt, zeitaufwendig und sehr intensiv. Aber wenn die Tagesform nicht stimmt, wird auch der beste Spieler bei Turnieren überrannt.

Eine besondere Verbindung zu den Turnieren in FIFA hat Ivan sich in diesem Jahr dennoch aufgebaut. Durch seine verschiedenen Rollen, die er bereits ausgefüllt hat, sammelte er einiges an Erfahrung. “Am meisten hat mir die Rolle als Produzent gefallen, was ich bei den Playoffs in Berlin gemacht habe. Das war das Beste, was ich diese Saison gemacht habe. Ich konnte mir alle Spiele anschauen, ich konnte auch auswählen, welche Spiele on stream sind und Goals of the day. Das war sehr, sehr geil.” Mit der Einladung so eine entscheidende Position einzunehmen, hatte er nicht gerechnet. “Das war sehr unerwartet. Die brauchten noch eine Person fürs Wochenende, weil irgendwas passiert ist und haben gefragt, ob ich das machen will. Ich habe gesagt: ja, klar, aber was ist das? Am Donnerstag davor hatten wir einen Vorbereitungstag, da haben sie mir alles erklärt. Das war ziemlich einfach für mich, weil in den letzten zwei Jahren habe ich mir eh alle Streams an und ich weiß, was die Zuschauer wollen. Und weil ich auch selbst Spieler bin, weiß ich auch, was gut für die Spieler ist.”

Direkter Draht zu EA

Im Gespräch mit Ivan merkt man schnell, dass ihm Feedback wichtig ist. Deswegen diskutiert er mit dem selben Enthusiasmus über das Gameplay, zu dem er viel Feedback gibt. Und gerade weil er das so gerne macht, setzt er sich aktiv für eine positive Entwicklung des Gameplays ein. “Letztes Jahr, als Rob Hodson (ehemals FIFA Community Manager bei EA Sports, Anm. d. Red.) noch bei EA war, habe ich ihm verschiedene Clips geschickt, Bugs und Sachen, die nicht in FIFA sein müssen und er konnte die dann zum Gameplay-Team schicken. Seit Anfang des Jahres habe ich Kontakt zu Gameplay-Developern und konnte denen direkt Clips schicken. So: ‘Das ist ein Bug und ihr könnt das fixen.’ Seitdem habe ich angefangen, ein Word-Dokument zu schreiben, so 17 Seiten lang ist es glaube ich. Mit allem, was in FIFA nicht läuft. Viele Sachen haben sie für FIFA 20 auch schon gefixt, aber es gibt ein paar Sachen, die noch immer problematisch sind. Aber die wissen das schon.” Mit der aktuellen Version des Spiels konnte er sich nicht anfreunden. “Ich mag FIFA 19 überhaupt nicht. Nichts, Gameplay, taktisch ist es auch schlimmer als 18 oder 17, 16 oder was auch immer. Es gibt fast keinen Aspekt, der mir gefällt in FIFA 19.”

Die angekündigten Veränderungen in der Neuauflage der Fußball-Simulation wirken auf ihn dennoch vielversprechend. “Für mich ist aktives Verteidigen sehr wichtig. Und das wird nächstes Jahr, zumindest sieht es so aus, belohnt. Die CPU-Verteidigung wird bestraft. Und Schießen ist viel konstanter. Das sind für mich die zwei wichtigsten Aspekte.” Durch die Saison hindurch haben sich vor allem die Pros immer wieder über die Varianz bei den Abschlüssen beschwert. Das in diesem Jahr eingeführte Timed Finishing war zu Beginn der Saison viel zu stark, gegen Ende zu einer willkürlichen Aktion gepatcht worden. Dazu kommen die zahlreichen Bugs im Gameplay, die explizite Aktionen zu extrem gefährlichen Torchancen aufwerteten. So war das hochflicken des Balles vor einer Flanke ein Muss, Schüsse mit dem Rücken zum Tor keine Seltenheit und Kopfbälle das effektivste Mittel zum Torabschluss. “Die Bugs und Exploits, die in FIFA 19 sind, sind nicht in FIFA 20. Es wird Exploits geben, aber die Hoffnung ist, dass die Randomness nicht so einen großen Impact auf die Spiele hat”, erklärt Ivan und macht sich dabei selbst etwas Hoffnung. In der kommenden Saison wird er zunächst wieder als Spieler antreten. Aber sehr wahrscheinlich bleibt das nicht seine einzige Aufgabe in der Saison.