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“Am Ende will man, dass Deutschland gewinnt.” / Interview mit Kai Hense

Bild: b360sports

Kai Hense wechselte Ende 2018 vom 1. FC Nürnberg zur Sportagentur B360. In Kooperation mit Stark eSports baut die Agentur ein E-Sport-Team auf, um das eigene Portfolio zu erweitern. Bislang konzentrierte sich die junge Sportagentur vor allem auf Fußball und hat das ambitionierte Ziel, zu den größten in Deutschland zu gehören.

Kai, du bist jetzt im Kader der Nationalmannschaft, wie fühlt sich das an?

Unbeschreiblich eigentlich, wenn man das so sagen kann. Das ist eine große Ehre zu den besten 20 Spielern in Deutschland zu gehören. Man hätte glaube ich nicht vor drei oder vier Jahren gedacht, als man mit FIFA angefangen hat, dass es überhaupt eine eNationalmannschaft gibt, geschweige denn, das man Teil davon ist.

Von 21 Spielern dürfen aber nur zwei spielen – wie fühlt sich das an?

Eigentlich nicht schlecht, weil die zwei haben es zu tausend Prozent verdient für diesen Wettbewerb (eNations Cup 2019, Anm. d. Red.) nominiert zu werden. Es sind die besten auf der Konsole, deswegen fühlt es sich trotzdem gut an, im Kader zu sein.

Was denkst du zum Ansatz des DFB mit 21 Spielern?

Meiner Meinung nach ist das komisch. Nicht komisch im Sinne von komisch, sondern man ist es einfach nicht gewohnt, dass so viele Spieler nominiert werden. Ich hätte schon bei zehn gesagt, das sind viele. In Deutschland ist die Qualität halt sehr hoch. Und wenn man dann am Anfang einen nicht nimmt, dann wäre es auch ein bisschen ungerecht, weil einige schon viel in und für Deutschland erreicht haben.

Wie ist dein Eindruck vom Projekt des DFB?

Ich denke, dass es gut ist. Viele Projekte werden kommen, beispielsweise Bootcamps, das hatte der DFB schon angekündigt. Vier oder fünf Spieler werden dann immer hingeschickt, die mit den beiden Nominierten trainieren. Klar sind das eigentlich auch Konkurrenten, aber wir gehören alle zusammen, wir sind eine Nationalmannschaft. Am Ende will man, dass Deutschland gewinnt.

Von Nürnberg nach Berlin: Ende 2018 löste Kai Hense den Vertrag mit dem 1. FC Nürnberg auf, um zur Agentur B360 zu wechseln. Bild: b360sports

Gibt es auch eine ungesunde Konkurrenz untereinander?

Nicht, dass ich wüsste. Konkurrenz ist ja immer da. FIFA ist ja eigentlich auch ein Einzelsport, außer Wettbewerbe wie die Club Championship, wo du für ein Team antrittst und mit einem Partner zusammenspielst. Ich glaube Neid gibt es nicht.

Der DFB verbindet damit virtuellen und realen Fußball. Spielst du selbst noch Fußball?

Ja, aber nur noch in der Kreisliga.

Warum?

Keine Zeit mehr für Fußball. Also jetzt bin ich auch nur beim Training, dienstags und donnerstags seit fünf Wochen. Und der Trainer fragt auch schon: Wann kannst du mal endlich, machst dein erstes Saisonspiel? Und die haben schon 18 Spiele oder so gemacht. Ich war in der Oberliga vor zweieinhalb Jahren. Da ging das nicht wegen den Turnieren. Dann war ich in der Landesliga, ging auch nicht wegen den Turnieren. Bezirksliga ging dann auch nicht und jetzt spiel ich einfach noch ein bisschen in der Kreisliga. Nicht für den Erfolg, sondern eher um mich fit zu halten und einen guten Ausgleich zu haben.

Ende 2018 hast du den Vertrag mit Nürnberg aufgelöst. Warum?

Es hat einfach nicht mehr so gepasst. Die Interessen vom Verein und mir gingen auseinander, das beschreibt es eigentlich am besten.

Was war dein Ziel zu dem Zeitpunkt?

Mein Ziel war es eigentlich die Club Championship zu gewinnen. Das Ziel ist vielleicht übertrieben, aber zu dem Zeitpunkt… Da ich denke, dass ich mit Daniel Butenko ein gutes Team abgegeben hätte, gerade auch im zwei gegen zwei und dann noch im 85er-Modus, was sein Modus wäre, ich glaube, dass wir da gut abschneiden hätten können.

Es kamen mit Kevin Reiser und Serhat Öztürk auch zwei neue Spieler. Hast du den 1. FC Nürnberg in der VBL verfolgt?

Verfolgt wäre übertrieben. Wen ich wirklich verfolgt hab war von Wolfsburg Timo (Timo ‚TimoX‘ Siep, Anm. d. Red.). Ich bin auch manchmal mitgefahren, einfach als Unterstützung. Das habe ich wirklich verfolgt, die VBL auch allgemein ein bisschen , Nürnberg aber fast gar nicht. Das Thema war abgeschlossen. Nachdem ich gegangen bin und deren Ziele wusste, war mir klar, dass sie es mit anderen schwer haben werden, überhaupt in die Top 16 zu kommen.

Was ist die Zielsetzung mit B360?

Den realen und den virtuellen Fußball verbinden, das wäre perfekt, um auch anderen Leuten diesen E-Sport näher zu bringen. Und Erfolge zu liefern, das ist mein primäres Ziel.

Du hast dich gegen die VBL Playoffs entschieden und bist stattdessen zum Licenced Qualifying Event geflogen. Warum hast du dich so entschieden?

Wäre ich zur VBL gegangen und hätte nicht die Quali geschafft, wäre ich auf mich selber sauer gewesen, weil ich die sicheren Punkte beim LQE für die Qualifikation nicht mitgenommen hätte. Und bei den Playoffs (für den FIFA eWorld Cup, Anm. d. Red.) hätte ich dann nicht mal ansatzweise eine Chance gehabt für den FeWC. Für mich ist es das primäre Ziel zum FeWC zu kommen. Dass das sehr schwierig sein wird, das weiß ich. Ich wollte auch nicht zur VBL wegen dem Modus. Best of eins unterstütze ich nicht.

Bist du der Meinung, es gibt zu viele Turniere, wenn sie sich schon so überlagern?

Ich finde es eigentlich gut, dass es viele Turniere gibt. Aber das kam zu plötzlich. Man plant ja am Anfang der Saison das Jahr. Der Verein weiß ja auch, was auf den Spieler zukommt. Auf einmal hat der Spieler aber nicht mehr zwei Turniere, sondern zwölf. Diese LQEs haben keinen Sinn: Die Qualifikation ist härter, vor Ort sind weniger Spieler, bessere Spieler und du kriegst kein Geld. Und wenn du dich für ein krasses Event qualifizierst, dann musst du Geld bekommen.

Aber es gibt Punkte für die Weltrangliste. Manche Nationen haben auch eigene Ligen, in denen es Punkte gibt. Anderen Nationen fehlt das: ist das fair?

Das Ding ist: wenn ich in einem Land leben würde, wo es keine Liga gibt, würde ich sagen, das ist unfair. Ich kann mich da schwer reinversetzen, bin ich ehrlich. Es ist eigentlich unfair, aber es wäre auch unfair, wenn ein Land eine Liga hat, aber nur zwei gute Spieler im Land. Dann bekommen die die Punkte und diese Punkte sind easy für die. Schwierig zu bewerten.

Sollte es für den eNations Cup Punkte geben?

Ne, sollte es nicht, absolut nicht.

Warum?

Das ist allgemein so ein Thema. Es gab ja auch diesen Club World Cup. Da konnte auf einmal jede Agentur mitmachen. Da haben auch Leute Punkte gesammelt – die Qualifikation war hart, klar. Aber wenn du dann vor Ort warst, hast du Punkte einfach geschenkt bekommen. Ich habe fünf Qualis und gerade mal 1000 Punkte knapp. Klar, ich kam nur zweimal in die KO-Runde. Aber es gibt Leute, die haben eine Quali und sind dann auch rausgeflogen, haben 150 Punkte gesammelt und wurden dann beim Club World Cup Dritter oder so, einfach weil sie einen krassen Mate haben. Und die haben dann mehr Punkte als ich. Das ist halt unfair.

Wo steht der FIFA E-Sport in Deutschland gerade?

Nicht perfekt, aber auch nicht schlecht. Im Sinne von es ist gut, dass es sowas wie die VBL Club Championship gab, aber die Umsetzung war nicht die beste. Viele Spieler haben sich lange schwer getan mit dem 85er-Modus, viele gestandene Spieler. Und die bekommen dann Ärger, wenn sie nicht liefern. Das sind trotzdem Top-Spieler, die im Ultimate Team Modus Top-Leistungen bringen würden und auch tun. Das ist nicht mal ein Angriff oder so, aber im 85er-Modus verlieren die einfach gegen Spieler, die viel schlechter sind.

Wenn du etwas ändern könntest, was wäre das?

Ich würde die Qualifikation so machen, dass jeder gegen jeden spielt. Wenn Leute auf dem Mars leben können, dann kann man auch gegen Leute aus Amerika spielen. Weil ich bin der festen Überzeugung, dass wenn ich in Amerika leben würde, würde ich zwölf von zwölf Qualifikationen packen und wäre beim FeWC dabei. Das Niveau in Europa ist halt ganz anders. Und wenn man auf der Welt die besten Spieler sucht, dann muss man auch die Quali zusammen machen.

Was ist dein Ziel für die kommende Saison?

Ich will der beste Spieler der Welt werden. Wobei das klingt so casual, das sagt jeder. Das ist falsch rübergebracht. Mein Ziel ist es, so viel Energie in das Spiel zu stecken, so viel Ehrgeiz, um irgendwann sagen zu können, wenn du zweiter oder dritter bist: du bist zufrieden. Aber nicht, dass man eine gute Saison spielt und sagt ‚wieso hast du nicht?‘ Ich will einer Saison nicht nachtrauern müssen. Wobei eine perfekte Saison gibt es nie, sind wir ehrlich.