Mos Ersatzbank | 21 Spieler für den DFB
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21 Spieler für den DFB

Mit der Präsentation der eNationalmannschaft macht der Deutsche Fußballbund den endgültigen Schritt in den E-Sport. Allerdings bleibe es beim virtuellen Fußball, wie DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch bei der Kadervorstellung am Sonntag, 31. März 2019, betonte. „Es ist unheimlich wichtig für einen Dachverband des Sports, wie den Deutschen Fußballbund, dass überall, wo Fußball drin ist, auch DFB mit draufstehen sollte“, erklärte Koch. Der Ansatz der eNationalmannschaft wirkt auf den ersten Blick befremdlich: 20 Spieler vertreten den DFB zukünftig virtuell, jeweils zehn Spieler pro Konsole (Playstation und Xbox). Hinzu kommt Benedikt ‚Salz0r‘ Saltzer, ebenfalls auf der Xbox, der zunächst als Coach fungiert.

Grund für die Gründung des Teams ist der anstehende eNations Cup in London, bei dem 20 Nationen um den Titel zocken. Die FIFA lud hierzu die Fußballverbände ein, Teams zu stellen. Für jedes Land können zwei Vertreter ausgewählt werden, die zunächst in einer Gruppenphase die Qualifikation für das KO-System ausspielen. Das lässt die Idee der 20 Spieler im Kader der eNationalmannschaft noch seltsamer erscheinen. Langfristig birgt das allerdings Chancen, die kein anderes Land so aufgesetzt hat.

Turniersieger durch Tagesform

In England beispielsweise bewiesen sich die besten Spieler in einem Turnier. Erwartungsgemäß setzte sich der dauerdominante Donovan ‘F2Tekkz’ Hunt auf der Xbox durch, auf der Playstation vertritt Thomas ‘FUTWIZ Tom’ Leese die Three Lions. Argentinien startete ein ähnliches Turnier, erleichterte den landeseigenen Granden der Weltrangliste aber den Turnierverlauf durch einen späteren Einstieg. Erhan ‘Dr. Erhano’ Kayman, Teil des DFB-Kaders und Pro beim VfB Stuttgart, gefällt der alternative Ansatz des DFB. “Ich finde das gut und alle anderen unterstützen das auch. Also das Mo (Mohammed ‘MoAuba’ Harkous, Anm. d. Red.) und Michi (Michael ‘MegaBit’ Bittner, Anm. d. Red.) antreten, weil sie gerade einfach top Leistungen bringen.” Von einem Turnier hätte er nichts gehalten: “Da entscheidet die Tagesform, das ist nicht richtig.”

Zunächst aber deckt der große Kader des DFB den aktuellen Status Deutschlands in der FIFA E-Sport-Szene ab. “Wir haben in Deutschland einfach eine unglaubliche Qualität. Gerade in der Breite sind wir die Besten der Welt”, erklärt Benedikt ‘Salz0r’ Saltzer, der als vorläufiger Bundestrainer eingesetzt wird. Eine Rotation für unterschiedliche Turniere ist dabei durchaus denkbar, auch auf der Coach-Position.

Chancen für den Amateur-E-Sport

Die Möglichkeit, eine nachhaltige Amateur-Szene aufzubauen, die eng mit der eNationalmannschaft verknüpft ist, liegt auf der Hand. Bei der Präsentation bestätigten die Verantwortlichen das Interesse, sich nicht nur auf die Profi-Ebene fixieren zu wollen. Die Qualität der Profis in eine solide Ausbildung des Nachwuchses zu stecken und dabei die Werte des DFB als auch einen verantwortungsbewussten Umgang mit E-Sport zu vermitteln, sollte das Ziel der eNationalmannschaft über das Turnier hinaus sein. Einer zusätzlichen Vorbildfunktion sind sich die Spieler bereits bewusst. “Natürlich rückt man durch die Nominierung ein Stück weiter in den Mittelpunkt. Dadurch muss uns auch klar sein, dass wir eine Art Vorbild für andere sein können. Wir vertreten jetzt auch die Werte des DFB, was für uns alle eine unglaubliche Ehre ist”, sagt Benedikt Saltzer.

Im Gegensatz zu den anderen teilnehmenden Nationen legt der DFB einen Grundstein für eine nachhaltige FIFA E-Sport-Szene. Es bleibt abzuwarten, was sich daraus entwickelt. “Ich bin davon überzeugt, dass der DFB das Thema sehr ernst nimmt. Die Pressekonferenz sowie der breite Kader, um für alle Eventualitäten abgedeckt zu sein, ist ein klares Indiz dazu. Auch die vermittelten Informationen während des Kabinengesprächs im Vorfeld zeigte uns das deutlich”, erläutert Benedikt Saltzer. Der DFB wagt den Anstoß. Nach dem eNations Cup wird sich zeigen, ob die Taktik aufgeht.